Glossar

A

Agio

Agio bedeutet Aufgeld oder Aufzahlung. Es ist ein Aufschlag auf den Nennwert und wird in der Regel in Prozent angegeben. Bei Darlehen ist das Agio ein mit ausgezahlter Aufschlag auf den Nominalbetrag des Darlehens.

Anlagevermögen

Das Anlagevermögen umfasst alle diejenigen Vermögensgegenstände, die dem Unternehmen auf Dauer dienen. Dazu gehören z.B. immaterielle Vermögenswerte (z. B. Geschäfts- oder Firmenwert), Sachanlagen (Anlagen, Maschinen, BGA etc.) sowie Finanzanlagen (Wertpapiere etc.).

Annuitätendarlehen

Der Darlehensnehmer zahlt während der Darlehenslaufzeit eine gleichbleibende Leistungsrate. Diese Leistungsrate besteht aus einem Zins- und Tilgungssatz. Durch die kontinuierliche Verringerung der Restschuld nimmt der Tilgungsanteil der Leistungsrate während der Laufzeit kontinuierlich zu.

Ausfallbürgschaft

Bei einer Ausfallbürgschaft muss der Bürge erst eine Zahlung leisten, wenn der Gläubiger (i.d.R. der Kreditnehmer) die Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Hauptschuldners (i.d.R. die Hausbank) ohne Erfolg betrieben hat. Der Bund, die Länder und die jeweiligen Bürgschaftsbanken übernehmen regelmäßig solche Ausfallbürgschaften gegenüber Banken, jedoch müssen sie erst die Zahlung leisten, wenn alle für das verbürgte Engagement bestellten Sicherheiten verwertet worden sind.

Bsp.:

KfW Darlehen 1.000.000 € 80%-ige Ausfallbürgschaft

Sicherheit Haus V-Wert 600.000 € (400.000 € freies Obligo, davon dann 80%; d.h. die Bürgschaft beträgt 320.000 € FIX)

Insolvenz: Wer haftet mit wie viel?

HB erhält aus Verkauf 600.000 €, d.h. Verlust von 400.000 €, Ausfallbürgschaft 320.000 €; Verlust Hausbank 80.000 €

B

BAFIN

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist eine selbstständige Bundesanstalt mit Sitz in Bonn und Frankfurt am Main. Sie untersteht der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesministeriums der Finanzen. Die BaFin beaufsichtigt und kontrolliert als Finanzmarktaufsichtsbehörde im Rahmen einer Allfinanzaufsicht alle Bereiche des Finanzwesens von Kreditinstituten, Finanzdienstleistungsinstituten, Versicherungsunternehmen und Wertpapierhandelsunternehmen in Deutschland. Diese Funktionen und Tätigkeiten werden „nur im öffentlichen Interesse“ wahrgenommen.

Beihilfen

Beihilfen an Unternehmen sind nach dem EG-Vertrag grundsätzlich verboten, da sie negative Auswirkungen auf den innergemeinschaftlichen Wettbewerb haben. Unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt die EU-Kommission jedoch Ausnahmen vom allgemeinen Beihilfeverbot. Die entsprechenden EU-Beihilferegelungen bestimmen detailliert, in welchen Bereichen, zu welchen Bedingungen und bis zu welcher Höhe Beihilfen gewährt werden dürfen.
Als Beihilfen werden vereinfachend öffentliche Zuwendungen bezeichnet, die einem Unternehmen, welches diese in Anspruch nimmt, einen wirtschaftlichen Vorteil verschafft gegenüber einem Konkurrenzunternehmen, das eine solche Zuwendung nicht erhält. Solche Zuwendungen können unter anderem in Form von Zuschüssen, Beteiligungen, zinsverbilligten Darlehen oder Garantien gewährt werden.

Im Falle eines zinsverbilligten Darlehens errechnet sich die Beihilfe aus der Zinsdifferenz zwischen einem jeweils bei der Zusage gültigen „Marktzinssatz“ und dem Zinssatz des in Frage kommenden Darlehens. Als „Marktzinssatz“ wird dabei der von der EU-Kommission festgelegte Referenzzinssatz verwendet. Bei der Berechnung der Darlehensbeihilfe wird ebenfalls berücksichtigt, dass der gesamte Zinsvorteil nicht - wie bei einem Zuschuss - in voller Höhe bei Auszahlung der Mittel, sondern über die gesamte Darlehenslaufzeit gewährt wird.
Den so errechneten absoluten Betrag des Zinsvorteils bezeichnet man als „Subventionswert“. Wird dieser ins Verhältnis zu den förderungswürdigen Investitionskosten gesetzt, ergibt sich daraus die sog. „Beihilfeintensität“ in Prozent. Die „förderungswürdigen Investitionskosten“ sind der Teil der Investitionskosten, für die nach einer Beihilferegelung Beihilfen gewährt werden dürfen. Die beihilferelevanten Programme bestimmen die förderungswürdigen Kosten grundsätzlich so, dass sie auch den EU-Beihilfevorschriften genügen. Daher entsprechen die durch Darlehen geförderten Investitionskosten i.d.R. den förderungswürdigen Investitionskosten der EU-Beihilfevorschriften.

Welche Beihilferegelungen ein Darlehen nutzt, ist aus dem jeweiligen Programm-Merkblatt ersichtlich. Sofern ein Darlehen Beihilfen enthält, werden der Subventionswert und/oder die Beihilfeintensität in der jeweiligen Darlehenszusage ausgewiesen. Subventionswerte anderer Fördermittelgeber werden in der Regel in der Zusage des jeweiligen Fördermittelgebers mitgeteilt und können bei Bedarf dort erfragt werden.

Bei jeder EU-Beihilferegelung wird eine Obergrenze bestimmt, bis zu deren Höhe Beihilfen für bestimmte förderungswürdige Investitionskosten eines Vorhabens gewährt werden dürfen („maximale Beihilfeintensität“). Diese maximale Beihilfeintensität ist u. a. von der Art des Investitionsvorhabens, der Unternehmensgröße oder dem Investitionsort abhängig. Zur Förderung ein und desselben Investitionsvorhabens können Fördermittelgeber manchmal auch unterschiedliche Beihilferegelungen heranziehen. Falls für ein Investitionsvorhaben mehrere Beihilfen gewährt werden, verlangt die EU-Kommission, dass alle für dasselbe Investitionsvorhaben gewährten Beihilfen kumuliert, d. h. aufgerechnet werden. Sollten mehrere Beihilfen nach unterschiedlichen Beihilferegelungen gewährt werden, gilt die maximale Beihilfeintensität derjenigen Regelung mit der höchsten maximalen Beihilfeintensität.
Im Falle der Kumulierung eines Darlehens mit weiteren Beihilfen anderer Fördermittelgeber muss daher sichergestellt werden, dass die nach den einschlägigen EU Regelungen höchste maximale Beihilfeintensität nicht überschritten wird. Dabei sind sog. „De-minimis Beihilfen“ für ein Vorhaben in voller Höhe auf die nach den geltenden Regelungen maximale Beihilfeintensität anzurechnen.

Der jeweilige Fördermittelgeber muss sicherstellen, dass die maximale Beihilfeintensität der Beihilferegelung, unter welche die Beihilfe fällt, eingehalten wird. Falls ein Antragsteller von mehreren Fördermittelgebern Beihilfen erhält, muss eine Kumulierungsprüfung vorgenommen werden.
Bekannte Beihilferegelungen sind:

•    die De-minimis-Verordnung,
•    die KMU Freistellungsverordnung,
•    die Regionalleitlinien.

Die Beihilfen für die derzeitige Förderperiode sind in der aktuellen Verordnung (EG 800/2008) vom 06. August 2008 ausgeführt. Diese ist auf der Webseite der EU hinterlegt.

Benachteiligte Arbeitnehmer

Gemäß dem Amtsblatt der Europäischen Union (Verordnung 800/2008) vom 06.08.2008 wird diese Personengruppe wie folgt umschrieben: Benachteiligte Arbeitnehmer sind Personen,

  • die in den vergangenen sechs Monaten keiner regulär bezahlten Beschäftigung nachgegangen sind,
  • die über keinen Abschluss der Sekundarstufe II oder keinen Berufsabschluss verfügen,
  • die älter als 50 Jahre sind, oder
  • Erwachsene, die allein leben und mindestens einer Person unterhaltspflichtig sind, oder
  • Personen, die in einem Wirtschaftszweig oder einem Beruf in einem Mitgliedstaat arbeiten, wo das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen mind. 25% höher ist als das durchschnittliche Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen, das in dem betreffenden Mitgliedstaat in allen Wirtschaftszweigen insgesamt verzeichnet wird, und
  • die zu der betreffenden Minderheit gehören oder
  • Angehörige einer ethnischen Minderheit in einem Mitgliedstaat der EU, die ihre sprachlichen oder beruflichen Fertigkeiten ausbauen oder mehr Berufserfahrung sammeln müssen, damit sie bessere Aussichten auf Beschäftigung haben.


Bereitstellungszinsen

Bereitstellungszinsen werden für nicht abgerufene, d.h. vom Darlehensnehmer trotz Kreditzusage nicht in Anspruch genommene Darlehensbeträge fällig.

Betriebsmittel

Betriebsmittel sind materielle Güter, die zur Produktion, für den Handel oder die Erbringung einer Dienstleistung erforderlich sind und entsprechende Kosten verursachen, z.B. Personalkosten, Wareneinkauf, Kosten für Rohstoffe und Werkstoffe, aber auch die Einräumung von Zahlungszielen gegenüber Kunden. Mit Hilfe eines Betriebsmittelkredites werden diese Kosten vorfinanziert.

Bilanz

Die Bilanz ist aus betriebswirtschaftlicher Hinsicht eine Gegenüberstellung des Vermögens auf der Aktivseite (Mittelverwendung) und des Kapitals auf der Passivseite (Mittelherkunft) an einem bestimmten Stichtag.

Bürgschaft

Die Bürgschaft ist ein Vertragsverhältnis, durch das sich ein Bürge verpflichtet, dem Gläubiger gegenüber für die Erfüllung der Verbindlichkeiten eines Dritten einzustehen. Sofern keine selbstschuldnerische Bürgschaft vorliegt, kann der Bürge verlangen, dass der Gläubiger zunächst gegen den Hauptschuldner klagt. 

Bürgschaft / selbstschuldnerisch

Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft hat ein Bürge dieses oben genannte Recht nicht. Der Bürge ist sofort zur Zahlung verpflichtet, wenn der Hauptschuldner bei Fälligkeit die verbürgte Verbindlichkeit nicht bezahlt. Dies trifft auch zu, wenn z.B. eine Ausfallbürgschaft einer Bürgschaftsbank in Anspruch genommen werden soll. Bei vielen Kreditanfragen ist die Abgabe einer selbstschuldnerischen Bürgschaft obligatorisch.

Businessplan

Ein Businessplan bzw. ein Konzept eines Unternehmens ist eine textliche und zahlenmäßige Darstellung der operativen und strategischen Ziele und deren Auswirkungen sowie die daraus resultierenden Maßnahmen. Ein Businessplan umfasst mehrere Themenbereiche wie z. B. eine Markt- und Wettbewerbs-analyse, eine Ertragsvorrausschau, eine Liquiditätsplanung sowie eine Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplanung.

BWA – Betriebswirtschaftliche Auswertung

Die BWA gibt dem Unternehmer unterjährig eine Übersicht über die Gewinn- und Erlössituation sowie über die Vermögens- und Schuldenverhältnisse. Die Auswertungen basieren i.d.R. auf dem Zahlenmaterial der Buchhaltung.

C

D

De-minimis Regelung

In der EU sind wettbewerbsverfälschende Beihilfen an Unternehmen verboten, wenn sie den Handel zwischen den EU-Mitgliedstaaten beeinträchtigen. (EG-Vertrag Art. 87 Abs. 1). In bestimmten Fällen kann die Europäische Kommission Subventionen allerdings ausnahmsweise genehmigen. Damit entschieden werden kann, ob es sich um eine solche Ausnahme handelt, muss jede Beihilfe, die einem Unternehmen zugute kommt, bei der Europäischen Kommission in Brüssel angemeldet werden. Die Europäische Kommission entscheidet dann, ob die betreffende Subvention im Sinne des EG-Vertrags gewährt wird oder nicht.

Zur Vereinfachung dieses Verfahrens wurde die "De-minimis" Regelung eingeführt. Danach brauchen Subventionen, die unterhalb einer bestimmten Bagatellgrenze liegen, bei der Europäischen Kommission nicht angemeldet und von ihr genehmigt werden. Dies gilt für Beihilfen, staatliche Stelle einzelnen Unternehmen gewähren und die innerhalb des laufenden und der letzten zwei Kalenderjahre den Subventionswert von derzeit insgesamt   200.000 €   (100.000 € i